Nach drei Tagen und 550 Meilen laufen wir von Bora Bora kommend in den kleinen Hafen Avatiu auf Rarotonga, Cook Inseln ein und machen an der Einklarierungspier fest. Der Hafenmeister, selber Segler, hat Humor und ermahnt uns, keine weißen Streifen auf seinen riesigen, schwarzen Autoreifen Fendern zu hinter lassen. Später dürfen wir in einer Hafenecke ankern.

Mit unseren Freunden von IVONNE B unternehmen wir eine Inselrundfahrt auf unseren Fahrrädern.

Wir verlassen die freundlichen, hilfsbereiten Cook Insulaner in Richtung des Königreichs Tonga, 800 Meilen voraus, mit Kurs WNW.  Als der Wind am dritten Tag  auf 30 Knoten zunimmt und die See ruppig wird, laufen wir das Beveridge Reef an, wo wir, inmitten von 3000-5000 M Wassertiefe, relativ geschützt auf 12 m ankern können.  Das einsame Ringriff mit dem ertrunkenen Vulkan und einem frischen Wrack liegt fast auf der Mitte zwischen Bora Bora und Tonga. Nach drei Tagen flaut der Wind auf 22 Knoten ab und wir verlassen diesen geisterhaften Ort.

Das Königreich Tonga besteht aus drei Inselgruppen, VaVa’U im Norden, Hapai in der Mitte und Togatapu im Süden mit der Hauptstadt Nukualofa.

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Unseren Landfall machen wir in Neiafu auf VaVa’U.

Wir probieren die zahlreichen und günstigen Ankerplätze der Inselgruppe alle aus. Dabei werden wir Zeuge des altertümlichen Fischens mit Wurfnetz in Strandnähe und werden zu einem tonganischen Festessen eingeladen.

Ein tropischer Guss hilft unsere Wasservorräte zu ergänzen und die Cockpitkissen im Dinghy zu spülen.

Zusammen mit dem Katamaran DIAETHYL segeln wir weiter nach Süden in die Hapai Gruppe. Im Dorf Ha’alefa werden wir zusammen mit unseren Freunden Henning und Margret von Diaethyl zum Essen eingeladen.

In Nukualofa residiert der 82 jährige tonganische König Taufa’ahau Tupou IV, mit dem wir am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen. Wenn man Tonganer ist, gehört zum korrekten Outfit für Männer und Frauen, neben dem traditionellen Rock Zulu genannt, immer eine Bastmatte oder zumindest Bastgürtel.

Von Nukualofa Tonga nach Neuseeland Whangarei, Kurs 211°, gut 1000 Meilen, braucht man 8-10 Tage; soweit die Theorie. Nach einem Schwachwindstart und Zwischenstopp im Nördlichen Minerva Reef geraten wir in schweres Wetter.

Unser Logbuchauszug von Freitag 10. November:

„Schon in der Nacht dreht der Wind zurück und nimmt immer mehr zu; es kachelt, in Böen bis 45 Knoten, mit Regen und Gewitter! Die Waschbecken, die wir vergessen hatten zu schließen, laufen über. Ich ziehe zum Schlafen in die Heckkabine, Christian macht es sich im Salon bequem. Wir sind mittendrin! Während des Tages baut sich ein mächtiger Seegang auf. Der Wind dreht immer mehr auf West. Es pfeift inzwischen mit 45 Knoten, in Böen mehr. Die Wellenkämme werden weggeweht und die Luft ist voll fliegender Gischt! Hochhäuser von Wassermassen, deutlich höher als die erste Saling, wälzen sich auf unser Boot zu. Ich empfinde es als besonders schlimm, in die tiefen Wellentäler von hoch oben hinabzublicken. Die Welle ist höher als der Windstärke angemessen. Das liegt vermutlich an den Strömungen in diesem Seegebiet. Wind gegen Strom produziert steile, hohe Wellen. Wir segeln voll gegen an! Wie durch ein Wunder schwimmt SUBEKI tapfer und unermüdlich von einem Gebirge durch ein tiefes Tal zum nächsten und richtet sich immer wieder auf.

Das Seegangsbild ist nicht einheitlich, immer wieder kommt eine Welle quer zu den anderen und schlägt wie mit einem Vorschlaghammer gegen die Bootsseite. Alles erbebt und hört sich fürchterlich an, aber alles bleibt heil. Unser werftseitig Kevlar verstärkter Rumpf gibt uns Vertrauen. Bis auf zwei winzige Segelstückchen ist alles weggerefft. Die Bewegungen des Bootes sind fast unerträglich. Es ist ein Wunder, dass die elektrische Selbststeueranlage das mitmacht! Ich bin seekrank, mir ist übel. Kochen oder Abwaschen ist nicht möglich.

Wir beide sind ziemlich fertig. Am Abend, ungefähr 140 Meilen südlich von Minerva, entschließen wir uns beizudrehen, bevor wir so erschöpft sind, dass die sichere Führung des Schiffes dadurch beeinträchtigt wird. Es geht so einfach! Die Schnauze durch den Wind, das Vorsegel steht back, das Ruder wird festgesetzt. Und plötzlich herrscht Ruhe! Zumindest relativ. Wir haben das Gefühl plötzlich ganz woanders zu sein. So wird alles wieder erträglich. Fahrt durchs Wasser: 0.2 Knoten, aber ein kräftiger Strom schiebt uns mit etwa 2 Knoten nach Nordosten zurück. Jetzt können wir kochen, essen und abwaschen. Wir sind außerhalb jeder Schifffahrtslinie, setzen über Funk noch eine Warnung mit Position und Drift ab, dann Ankerlicht an und ab in die Koje! Wir schlafen auf der Stelle!

Sonnabend 11. November: Nach 18 Stunden wachen wir auf. Der Wind hat deutlich nachgelassen, nur noch um die 30 kn. Wir frühstücken und hören auf der deutschen Funkrunde, wie es den anderen Booten geht. Gegen 15 Uhr nur noch 25 Knoten aus Südwest, wir segeln wieder hoch am Wind gegen an und brauchen einen ganzen Tag, um die 35 sm, die wir zurück gedriftet sind wieder aufzukreuzen.“

Am 19. November erreichen wir heil und stolz Whangarei, einem der schönsten Häfen unserer Weltumsegelung unsere Basisstation für die nächsten zwei Jahre.

Wir „ersteigern“ preiswert einen kleinen Toyota Bus mit 240.000 km auf dem Tacho und fahren Richtung Süden, um Land und Leute zu erkunden. Über die Coromandel Küste, Roturoa und Lake Taupo geht es nach Wellington.

Über die Cook Strait geht es auf Südinsel nach Nelson und weiter über den Abel Tasman Park und dem schmelzenden Franz Josef Gletscher zum Murcheson River auf dem wir (weiße Helme) uns ein kleines Abenteuer gönnen.

Wir folgen weiter der Westküstenstraße und statten dem Pancake Rock, der Jadestadt Hokitika und dem Milford Sound einen Besuch ab.

Über Queenstown am Lake Wakapitu, Dunedin, Invercargill und Bluff geht es entlang der S-SE Küste über Christchurch und Arthur’s Pass wieder zurück nach Whangarei.